Madame Dubarry

Madame Dubarry

Deutschland 1919, Spielfilm

Lubitsch-Negri-Abend


Hb., Lichtbild-Bühne, Nr. 38. 20.9.1919


(...) Vom ersten Moment an fühlt man: das hat Berlin noch nicht gesehen, – eine Sensation! Diese Sensation verdankt es in erster Linie Herrn Direktor Davidson von der Projektions-A.-G. Union, der scharf-blickend genug war, die Anregung zur Bearbeitung dieses packenden Stoffes zu geben und dessen generöser Großzügigkeit, was Ausstattung usw. anlangt, der glänzende Erfolg zu verdanken ist.

Der Werdegang der "Gräfin Dubarry", von der kleinen Midinette und Studentenliebchen über die Stationen: Gesandter und Graf zur Königs-Maitresse und mächtigsten Frau des ganzen Frankreich, zieht an uns vorüber, Verfasser sind Orbing und Kräly. Zuerst entzückt, rein äußerlich, das Kostüm der Zeit, die Echtheit des mit einer Akuratesse ohnegleichen gestellten Milieus, für das Kurt Richters Dekorationskunst verantwortlich zeichnet. Erst allmählich, wenn die erste Verblüffung über das Gebotene sich gelegt hat, macht man sich klar, wie hier "gedreht" worden ist – Sparkuhl ist der Operateur – was für Kopien Waschnek herzustellen vermocht hat und wie alles dies, zusammen mit der technischen Anlage, einer Gleichrichter-Anlage tadellosester Funktion, zusammengewirkt hat, um die Leistungen des Paares Negri-Lubitsch ins hellste Licht zu rücken. Ja, der Abend ist am besten gekennzeichnet als Ehrenabend Negri-Lubitsch. Lubitsch, den man als Regisseur von "Carmen" schon auf der Höhe seines Könnens glaubte, hat sich hier selbst übertroffen und alles bisher Geleistete vergessen gemacht vor dieser genialen Schöpfung. Es ist kein Zufall, daß sich bei der ersten Gelegenheit dem Publikum sein Name auf die Lippen drängte, daß man ihn feierte wie eine Primadonna, als sich ein Bild ans andere reihte, von neuartigen Regieeinfällen sprühend, – wir erinnern nur an die Szene hinter dem Wandschirm im Hause des spanischen Gesandten, an das Bild der Brautschleppe, die der Mohr glättet, an die unvergleichlichen Kampfszenen in den Straßen von Paris, das überhaupt leibhaftig vor den Augen des Kenners dasteht, an die Schäferspiele im Park von Trianon, und nicht zuletzt an die feine Idee, als Großaufnahme nur Armand-Liedtkes Hände zu geben, wie sie sich in furchtbarer Seelenqual verkrampfen, Lubitsch ist nicht ein, sondern "das" Genie der Film-Regie und zweifellos der Erste, den wir heute haben. Ob Freund, ob Feind, wer "Gräfin Dubarry" sieht, muß das zugeben.